Die „beste“ Kinderbibel gibt es nicht. Auswahl hängt von verschiedenen Faktoren ab: Alter, Lesegewohnheiten, Vertrautheit mit religiösen Traditionen, verschiedene Situationen (Alleinlesen, gemeinsam, Gespräch Kind-Erwachsener). Dennoch: gewisse Qualitätsmerkmale können benannt werden.
1. Äußere Aufmachung und Gestaltung:
- Lässt der Titel darauf schließen ob Glaubens- oder Unterhaltungsbuch?
- Umfang, Umschlagsgestaltung, Illustrationsstil ästhetisch ansprechend?
- Vorwort an Alterszielgruppe wünschenswert?
- Layout, Text-Bild-Verteilung, Schriftart/-größe
- Inhaltsverzeichnis
- Textauswahl: Überschriften der Texte (reißerisch oder bibelnah), eventuelle Hinführungen/Erläuterungen/Verständnishilfen hilfreich?
- Grad der Fiktionalität („genauso passiert“ oder Hinweis darauf, dass in der Bibel gläubige Menschen von Erfahrungen erzählen)
2. Umgang mit der biblischen Botschaft
- Verantwortungsvoller Umgang mit dem Originaltext/der Originalbotschaft oder eher Klischees/falsche Akzente/Verfremdung
- Textauswahl erfolgt danach, ob sie theologisch wichtig aber auch für Kinder verständlich ist (? Originaltexte werden so leichter zugänglich); Auslassung von schwierigen/dunklen Geschichten (Bsp.: Opferung Isaaks fehlt in fast allen Kinderbibeln)
- Gattungsvielfalt vorhanden (Psalmen, Lieder, Gebete, Prophetentexte) oder einseitige Textauswahl (unterhaltsame oder „Einschlaf“-Geschichten)
- „Randfiguren“ wie Frauen oder Kinder neben Jesus und den Jüngern
- Aus welcher Perspektive wird erzählt? Kinder als Erzähler besonders gut für Identifikation geeignet
- Gewichtung von AT und NT so wie im Original?
- Geschichten von Frauen aufgegriffen?
3. Sprache
- Texte werden da verkürzt, wo sie für Kinder zu lang sind (adressatengerecht: Kinder können besser und konzentrierter zuhören; theologische Schwerpunkte dennoch enthalten)
- Texte werden mit erzählerischen Mitteln da verlängert/entfaltet, wo er zu schnell an den Kindern vorüberrauscht (Bsp.: Gleichnis vom Schatz im Acker eigentlich nur ein Vers, daher verlängert, um Verständnis zu erleichtern; „Bartimäus“ verlängert, damit sich Kinder besser in seine Lage versetzen können)
- Sprachliche Gestaltung eher spannend und witzig (ausschmückend) oder wurde die biblische Botschaft in einer anschaulichen, prägnanten, sorgfältigen Sprache verfasst, die Kinder anspricht?
- Satzbau: kurze, verständliche Sätze
- angemessener Anteil an wörtlicher Rede (im Vergleich zum Erzählertext)
4. Illustrationen
- Funktion der Bilder / was wollen sie erreichen?: Informationen vermitteln, zum Lesen motivieren, zum meditativen Betrachten einladen, innere Bilder wecken, zur Auseinandersetzung anregen
- Wiederholt die Illustration den Inhalt, regt sie zum Interpretieren an (geht über das Gesagte hinaus) oder hilft sie zu deuten und zu verstehen?
- Wollen die Bilder vordergründig Spannung erzeugen oder bringen sie den Text durch symbolhafte Darstellung zum Sprechen?
- Stil der Illustrationen: realistisch, abstrakt etc.; Farbgestaltung
- Gewichtung Bild – Text
5. Das Gottesbild
- Wie wird von Gott erzählt? / Wie wird er dargestellt? (Wissen des Autors: Gott „von oben“ oder aus der Perspektive der erlebenden Menschen)
- Gott ein „Macher“ oder ein „Geheimnis“?
- Gottesbild: einseitig oder vielfältig (liebender und strafender Gott etc.)
- Grenzerfahrungen von Menschen mit Gott: nur positive Erlebnisse oder auch negative (z.B. Verlassenheit, Leid, Schuld, Tod)? Werden dunkle Seiten verschwiegen/verharmlost?
6. Jesus-Darstellung
- Wie wird von Jesus erzählt? / Wie wird er dargestellt?
- wird Jesu Besonderheit für Christen und seine Botschaft deutlich?
- Wird seine jüdische Herkunft (Text und Bild) deutlich?
- Wunder- und Gleichniserzählungen vorhanden und als Worte Jesu gekennzeichnet?
- Wunder: Zauberevents/naturwissenschaftlich erklärbar oder als Zeichen Jesu für das kommende Reich Gottes?
- Wie wird Jesus auf Bildern dargestellt? Bsp.: streng, einladend, jung, alt, starr, lebendig etc.
-> Auswahl erfolgt immer unter Berücksichtigung der Lerngruppe (Alter, Bibelverständnis, Vorwissen, Vorlieben & Interessen)
Bsp.: Lehrer will nur „erzählen“: schlechte Bebilderung, aber guter Text zum Vorlesen
oder freies Erzählen zu guten Bildern (Text kann dann auch schlecht sein)
Neue Kreationen an Kinderbibeln
- Immer neue Arten von Kinderbibeln auf dem Kinderbibelmarkt
- Zusatzangebote wie Malen, Basteln, Hör-CD, Kinderbibeln als CD-Rom
- Kleinkinder verstärkt im Blick (Bilderbücher zur Bibel aus extra strapazierfähigen Pappseiten oder mit Buggy-Befestigung)
- achbücher zu Bibel für Kinderhände
- Leider erfüllen viele neuere Kinderbibeln nicht mehr die Kriterien für eine gute kindsgerechte Erzählung und ansprechende Bebilderung
Empfehlung: Kind soll mehrere verschiedene Kinderbibeln im Laufe des Aufwachsens kennenlernen, um auch einzusehen, dass jede Kinderbibel nicht die Bibel selbst ist sondern immer eine Bearbeitung
